Ella – 🚂

Um nach Ella zu gelangen traten wir zum letzten Mal die Fahrt mit dem hellblauen Zug an. Wir haben uns schon diverse Strategien überlegt, wie wir am besten in den Wagon gelangen und einen Sitzplatz ergattern können. Doch alles hilft nichts wenn der Zug nicht kommt. Vorher immer ziemlich pünktlich, war er dieses Mal nämlich um satte zwei Stunden zu spät. Da die Fahrt von Haputale nach Ella aber nur gerade knapp eine Stunde dauert nahmen wir es gelassen. Als der Zug dann vorfuhr hüpften wir schnell in einen 3.Klasse-Wagen und hatten sogar Platz zum sitzen. Doch wir merkten schon, dass der Zug in den anderen Wagons ziemlich voll war und sehr wahrscheinlich alle Leute in Ella aussteigen werden. Ella ist nämlich einer der bekannteren Orte entlang dieser Zugstrecke. In Ella angekommen bewahrheitete sich dann auch unsere Befürchtung und mit viel zu vielen Menschen für einen so kleinen Bahnhof stiegen wir aus und folgten der Masse.

Ella, was früher bestimmt noch ursprünglich war, ist heute eine Backpacker Hochburg. Das Zentrum des Dorfs hat gar keinen Charm mehr, da sich Bars und Restaurants aneinander reihen. Überhaupt nicht typisch sri lankisch. Aber sobald man sich etwas ausserhalb in der Natur aufhält kann man den vielen Touristen etwas aus dem Weg gehen.

Wir unternahmen kurze Tagesausflüge zu der nahegelegenen ‚Nine Arches Bridge‘ und zum little Adam’s Peak, der kleineren Version zum Adam’s Peak in Delhouse. Der religiöse Hintergrund fehlt hier aber komplett. Eigentlich ist es nur ein weiterer Hügel in der Landschaft, von dem man aber eine gute Weitsicht hat.

Weiter erklommen wir auch den Ella Rock. Einen noch etwas höheren Berg als der kleine Adam’s Peak. Früh morgens liefen wir los, da es zu dieser Zeit noch etwas kühler ist. Wir starteten vom Dorf aus auf den Zuggleisen. Ja das war der offizielle Weg. Da hier nämlich nur etwa 5 Züge täglich durchfahren, dient es auch als super schneller ebener Weg in dieser hügeligen Landschaft. Vorbei an einem kleinen Wasserfall und kleineren Teeplantagen bahnten wir uns den Weg in den dichteren hochstämmigen Wald und somit auf die Höhe des Aussichtspunktes. Teilweise war es nicht ganz einfach den richtigen Weg zu finden, da nichts beschildert ist durch die Teeplantagen ein einziges Weg-Wirrwarr herrscht. Oben angekommen und mit schönem Blick in die Ferne, genossen wir dann unser mitgebrachtes Frühstück, das liebevoll von unserer Host-Mama zubereitet wurde.

Erfolgreich waren wir auch mit unserer Suche nach einem Sri Lankischen Kochkurses. Im ‚Ella Spice Garden‘ wird in kleinen Gruppen von max. 8 Personen ein etwa 3 stündiger Kurs angeboten. Es ist ein Familienbetrieb geführt von Vater und Sohn. Zuerst erhielten wir eine ausführliche Einführung in die verschiedenen Gewürze und Currymischungen, die in der Sri Lankischen Küche verwendet werden. Ganz gross sind Kurkuma, Zimt, Chilli und natürlich Knoblauch und Kokosnuss. Danach ging es an den Gasherd und wir schwangen die (Kokosnuss-) Kochlöffel. Das allseitsbekannte Dhalcurry, also rote Linsen eingekocht mit Kokosnussmilch, was eigentlich zu jeder Tageszeit gegessen wird, durfte natürlich nicht fehlen. Auch lernten wir wie das Kokosnuss-Sambal, was fester Bestandteil der Sri Lankischen Küche ist, hergestellt wird. Kokosnussraspel, natürlich frisch geraspelt, gemischt mit einer Paste aus frischen Tomaten, roten Zwiebeln und Chilli ergeben eine ausgezeichnete Mischung. Weiter kochten wir noch ein Kartoffel- und ein Knoblauchcurry. Letzteres bereitete uns dann auch noch am Tag danach „Freude“ ;). In einer guten Runde verbrachten wir einen sehr entspannten Abend und zu Hause werden unsere neu erlernten Kenntnisse sicherlich zur Anwendung kommen.

Wir waren froh eine Unterkunft etwas ausserhalb des Trubels bezogen zu haben. Das Little Paradies Inn, ein Homestay mit 3 Zimmer, wird von einer sehr herzlichen Familie mit 2 Kindern geführt. Es liegt etwas abseits, so dass wir dort ruhige Nächte verbringen konnten. Das Srilankische Frühstück war reichhaltig und sehr fein. Frische Früchte, Kokosnuss-Roti, Sambal und Dhal gehörten immer dazu. Auch das bestellte Abendessen war ein Traum und wieder einmal viel zu viel, aber das ist halt die Sri Lankische Gastfreundschaft.

Wir verlassen das Inland und somit die gebirgige Landschaft in Richtung Süden. In Kataragama, nahe dem Yala Nationalpark, versuchen wir unser Glück die hiesigen Leoparden zu sehen.

Kandy, Adam’s Peak, Haputale – der hellblaue Zug

Nach den vielseitigen Tagen in Dambulla machten wir uns auf in Richtung Süden nach Kandy, die letzte Königsstadt Sri Lankas. Nach etwa 2h mit dem lokalen Bus kamen wir in Kandy an.
Die Stadt liegt in einem Talkessel und ist umgeben von mehreren Hügeln, die mittlerweile auch schon sehr bebaut sind. Im Tal, somit im Zentrum der Stadt, gibt es einen See, wo wir an einem ruhigen Sonntag einen gemütlichen Spaziergang rundherum unternahmen. Ansonsten besuchten wir den dortigen ‚Temple of the Tooth‘, wo angeblich ein Zahn des Buddhas aufbewahrt sein soll und stiegen zum grossen weissen Buddha hinauf, der von weitem gesehen ein wachsames Auge über die Stadt wirft. Kandy zeigte sich sehr geschäftig und etwas hektisch im Zentrum, was uns nicht so gefiel. Doch je mehr wir vom Zentrum wegkamen, umso ruhiger wurde es.

Wir übernachteten zwei Nächte in einem Homestay namens ‚Hill Cottage‘. Wie der Name schon verrät, war das Haus an einem der Hügel gelegen und schön im Grünen. Die Unterkunft wird von einem srilankischen Ehepaar geführt und auch die Mutter der Frau lebt im Haus mit ihnen zusammen. Die Grossmutter, wie wir sie nannten, ist die gute Seele des Hauses und verfügt über eine sehr herzliche offene Art und ein super gutes Britisch Englisch. Ihre Sprachkenntnisse erlernte sie nämlich als Kind während der britischen Besetzung Sri Lankas (1815-1948). Natürlich kamen wir auch in den Genuss ihrer ausgezeichneten Kochkünste. Zur Begrüssung gab es auf der Veranda Tee und Kuchen und auch ein selbst gekochtes Abendessen mit verschiedensten (Curry-) Gerichten, wie es in Sri Lanka üblich ist, bekamen wir serviert. Auch das Frühstück war vorzüglich. Es gab frisches Roti (flaches Kokosnussbrot), Dhal, frische Früchte und Quark mit Rohrzuckersirup. Durch unseren Aufenthalt dort konnten wir einiges über die srilankische Kultur und die Gesellschaftform erfahren. Es war sehr schön für kurze Zeit ein Teil der Familie zu sein und so einen besseren Einblick in den Alltag einer srilankischen Familie zu bekommen.

Kandy war für uns dann auch der Beginn für die bekannte Zugstrecke mit dem hellblauen Zug durch das Hochland und seine weitläufigen Teeplantagen. Ein Ticket für den Zug konnten wir erst am Abreisetag kaufen, da die reservierten Sitzplätze alle schon besetzt waren. Somit hiess es dann für uns, wie in den lokalen Bussen, einfach in den Zug hüpfen und hoffen, dass wir einen Sitzplatz ergattern können. In Tat und Wahrheit waren wir allerdings nicht die Einzigen. Das Perron war voll mit Leuten, die alle in diesen einen Zug wollten. Verständlicherweise, da es nämlich nur 3 pro Tag gibt. Als der Zug dann fast pünktlich eingefahren kam, hatten wir total Glück, denn als der Zug stoppte, standen wir genau auf der Höhe eines Einganges. So konnten wir direkt hinein steigen und fanden sogar noch zwei freie Plätze. Der Wagon war zwar ein Drittklassewagen, doch besser ein Sitzplatz als keiner. Und die dritte Klasse war eigentlich auch ganz angenehm zum fahren.

Von Kandy her fuhren wir etwa zwei Stunden im vollgestopften Zug bis nach Hatton, von wo wir mit dem Bus dann nochmals zwei Stunden nach Delhouse, unserem Ziel, gefahren sind. Delhouse ist ein guter Startpunkt um zum Adam’s Peak, DEM Pilgerort der Buddhisten, auf ca. 2’200m ü.M. zu gelangen. Gläubige Buddhisten pilgern dorthin, da dort der Fussabdruck Buddhas zu finden sei. Lustigerweise wird der Fussabdruck aber je nach Religion anders interpretiert. Für die Muslime und auch Christen stammt der Fussabdruck zum Beispiel von Adam, für die Hindus vom Gott Shiva. Der Berg ist jedoch am wichtigsten für die Buddhisten, da fast 80% der Sri Lanker Buddhisten sind. Jeder sollte einmal in seinem Leben dorthin gepilgert sein und seine Opfergaben überbringen. Dementsprechend sind dort andauernd Einheimische unterwegs. Bei 22 Mio. Einwohnern Sri Lankas auch nicht sonderlich verwunderlich.

Unser Ziel war es zum Sonnenaufgang die ungefähr 5’000 Treppenstufen zu überwinden. Dafür mussten wir unsere Unterkunft um etwa 3 Uhr morgens verlassen, da der Sonnenaufgang gegen 6.30 Uhr statt findet. Mit ein paar Bananen und Wasser im Gepäck machten wir uns im Dunklen auf zum Adam’s Peak. Der Weg besteht nur aus Treppenstufen und insgesamt müssen etwa 1’000 Höhenmeter überwunden werden. Es war eindrücklich zu sehen wie viele Einheimische sich auf den Weg machten, ungeachtet deren Alter oder Gesundheitszustand. Auf dem Weg gibt es unzählige Kioske, die Verpflegung oder heissen Tee anbieten. So wird der Weg hinauf zum Gipfel auch praktischerweise gut beleuchtet. Je höher wir kamen desto enger wurde der Weg und je langsamer kamen wir voran, da sich die Leute mehr und mehr stauten. Etwa 100m unterhalb des Gipfels wurde die Kolonne dann aber so langsam, dass wir uns entschieden auf die Seite zu treten und den Sonnenaufgang von dort zu beobachten. In aller Ruhe konnten wir so den herrlichen Ausblick geniessen. Im Nachhinein erfuhren wir dann, dass jeder Pilger wohl einzeln in den Gipfeltempel tritt und es daher ganz oben immer Stau gibt. Nach einem wunderschönen Sonnenaufgang mit Blick über das Hochland ging es für uns wieder runter ins Dorf. Obwohl wir nicht zuoberst auf den Gipfel kamen war es ein spannendes und bereicherndes Erlebnis. Zurück im Dorf in unserer Unterkunft, dem ‚Hugging Clouds‘, machten wir es uns dann gemütlich. Nach einem srilankischen Frühstück bestehend aus Dhal, Kokosnuss Sambal und Roti, verbrachten wir den restlichen Tag mit lesen und recherchieren.

Nach zwei Nächten in Delhouse ging es für uns weiter nach Haputale. So nahmen wir wieder den Bus in Richtung Hatton und von dort dann den Zug nach Haputale. Am Bahnhof ging das gleiche Spiel wieder von vorne los. Dieses Mal hatten wir leider nicht so viel Glück und wir mussten fast die ganzen vier Stunden im Zug stehen. Wir waren froh, als wir in Haputale ankamen und den proppe vollen Zug verlassen konnten.

Haputale ist ein kleines Dörfchen auf etwa 1’500m ü.M. gelegen. Hier herrschen auch mildere Temperaturen aufgrund der Höhe, was uns sehr entgegen kam. Uns hat es auf Anhieb gefallen, da die Stimmung sehr relaxt war. Auch hier gibt es Teeplantagen soweit das Auge reicht. Allesamt über die hüglige Landschaft verteilt, wie ein Teppich. Wir unternahmen zwei super schöne Wanderungen durch die Teefelder. Einerseits zum bekannten Lipton’s Seat, von wo anscheinend Thomas Lipton seine Teeplantagen überwacht haben soll. Der Aussichtspunkt ist allseits beliebt, jedoch fahren die Meisten mit einem Tuktuk hoch. Daher waren wir dortoben natürlich nicht alleine. Uns bot sich aber ein schöner Ausblick über die weitläufige Ebene und eine Tasse Tee bekommt man auch noch angeboten. Die zweite Wanderung führte uns zu einem anderen hochgelegenen Aussichtspunkt, der wenig bekannt ist. Während dem Aufstieg durch die Teefelder waren wir völlig alleine und konnten so in Ruhe die Teepflückerinnen bei ihrer Arbeit beobachten. Es ist schon sehr beeindruckend wie noch alles von Hand gepflückt wird, eine heiden Arbeit. Auch als wir beim Fels ankamen, der den Aussichtspunkt markiert, waren keine andere Wanderer in Sicht. So hatten wir den Blick in die Ferne für uns ganz alleine :).

Die zwei Nächte in Haputale verbrachten wir im Silanway Holiday Inn. Ein kleines Gasthaus mit 6 Zimmern nicht all zu weit vom kleinen Zentrum entfernt. Die Zimmer waren sehr sauber und mit einem modernen Bad ausgestattet. Auch hier bekamen wir ein gutes srilankisches Frühstück, dass uns für die anstehenden Wanderungen gestärkt hatte.

Wir treten nun den letzten Teil der Zugstrecke an und fahren nach Ella. Ein weiteres Örtchen, dass zum Wandern geeignet sein soll. Und wenn es klappt werden wir dort einen srilankischen Kochkurs belegen.